Jana Vetten vom Mozarteum Salzburg im Interview

Koerber Studio Junge Regie 2014

 Der Rhythmus entscheidet

Für Jana Vetten steht Teamwork im Mittelpunkt. Beim Festival gefällt ihr besonders der Austausch mit den zukünftigen Kollegen, dabei darf ruhig auch kritisiert werden.

Liebe Jana, Du bist mit deiner Inszenierung vom Mozarteum hier direkt ins kalte Wasser gesprungen: Aufführung am ersten Tag, zudem noch als Ersatz für den entfallenden Beitrag aus Essen. Wie war das für dich?

Es war natürlich extrem aufregend. Als die Nachricht kam, dass ich einspringen sollte, war ich hoch erfreut und gleichzeitig begann direkt der Stress alles auf die schnelle noch vorzubereiten, zu proben und alles zu organisieren. Der Vorteil war, dass ich im Prinzip keine Zeit hatte großartig nervös zu werden.

Wie erlebst du diesen Festival-Alltag? Kannst du an Tag vier schon deine Eindrücke zusammenfassen?

Austausch ist teilweise etwas schwierig, man merkt manchen Leuten schon an, dass hier ein Wettbewerb stattfindet. Allerdings beurteile ich persönlich die täglichen Tischgespräche als sehr bereichernd und erfrischend. Kollegen sprechen mit dir über deine Arbeit, dein Stück, was es bei ihnen bewirkt hat, und es werden Sachen hinterfragt. Für den eigenen künstlerischen Prozess von immenser Wichtigkeit.

Ist es tatsächlich so, dass man dadurch die eigene initiatorische Handschrift nochmal überdenken kann?

In meinem Fall trifft dies zu, ja. Speziell weil es noch nicht in dem klassischen Sinne nach meinem Anspruch fertig war, aber ich habe die Herausforderung gerne angenommen, als Ersatz für die Kollegen aus dem Ruhrgebiet einzuspringen. Wir haben drei Wochen geprobt, und die Gewissheit mit mehr Zeit im Rücken die Arbeit auf eine nächste Ebene zu heben, beruhigt mich und macht mir Mut und Lust auf mehr.

Wie groß ist der Druck für einen selbst? Es sitzen hier Intendanten im Publikum, man steht unter Beobachtung und öffnet sich ja auch einem Markt.

Den Markt gibt es natürlich. Allerdings weiß ich nicht genau, ob gerade hier der Platz ist, an dem man sich dem Markt öffnet. Ich habe da keine Erfahrungswerte.

Hat man das denn nicht automatisch im Hinterkopf, dass ein Haus auf einen zukommen könnte und dem eigenen Stück dann das Vertrauen schenkt und ausspricht?

Also ich hatte das nicht, mir fehlte dazu einfach die Zeit mich mit solchen Dingen zu beschäftigen.

Salzburg, Mozarteum: was mich immer an Salzburg fasziniert, ist die tiefe Durchdringung die diese Stadt bietet. Man steigt ins Taxi und der Fahrer kann einem zu jedem Stück aus erster Hand berichten, da er es selber gesehen hat. Diese Stadt lebt Kultur einfach. Wie ist dein Eindruck?

Ich glaube das ist etwas typisches für Österreich.

Das Festival hier heißt ja Körber Junge Regie. Jung ist ja oft  konturiert: frisch, mutig, experimentell. Wie geht man mit dieser gewissen Erwartungshaltung um?

Explizit habe ich mich mit dem Adjektiv jung im Zusammenhang mit diesem Festival nicht beschäftigt, sondern eher was meine persönliche Ausdrucksform ist.

Wie gehst du vor, wenn du dir einen Stoff erarbeitest?

Das ist total unterschiedlich. Diese Inszeniereung war komplett frei – in solchen Situationen gehe nach dem Lustprizip vor. Es geht mir weniger darum die Frage zu klären, was ich erzählen möchte, sondern eher was ich herausfinden kann.

Inwieweit ist Musik dein Inspirationsfeld?

Wenn ich Texte lese, denke ich eher in Rythmen, also im Ductus der Sprache. Bei der Erarbeitung des Stoffes zu meiner aktuellen Arbeit geschah vieles im Teamwork. Bei meinem Bluesstück zum Beispiel war die Arbeitsweise völlig eigen und abwechslungsreich.

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