Kritik: “Die Versenkung des Atom-U-Boots Kursk durch den Feigling Steven Jobs” aus Zürich

Szene aus der Zürcher Inszenierung | © Krafft Angerer

© Krafft Angerer

Verstrickt – in Handlung und Damenstrümpfen

So verrückt der Titel zu Timo Krstins Inszenierung, so absurd war auch die Handlung. Ein großes Durcheinander mit viel Charme und Witz. Früher oder später hat man aber den Faden verloren zwischen fiktiven Ideen und Einflüssen aus dem aktuellen Weltgeschehen. Lacher gab es dennoch.

Eigentlich wollte der Autor “K.” eine Geschichte über die mysteriöse Versenkung des U-Boots Kursk im Baikalsee schreiben. Dort soll Steve Jobs, der in Wahrheit gar nicht verstorben ist, die kapitalistische Weltrevolution anzetteln. Das klingt absurd? Ist es auch. Dafür aber irre komisch. Das Problem ist nur, dass K. unter einer verheerenden Schreibblockade leidet. Statt sich auf den ursprünglichen Plot zu konzentrieren, schreibt und streicht einfach drauf los. Daraus entsteht eine Komödie voller Absurditäten, wie beispielsweise Oliver Kalkofes Film „Der Wixxer“. Verrückte Begegnungen, durchgeknallte Charaktere, ein wenig Krimi.

K. lässt seinen Gedanken freien Lauf, wodurch sogar sein Kindheitsheld Bela Lugosi plötzlich auftaucht. Als Vampir mit einem Spleen für Damenstrümpfe, verheddert dieser sich permanent in seinen Fetisch-Söckchen. Als wäre dieses Durcheinander noch nicht wirr genug, interagiert der Autor sogar mit seinen eigenen Charakteren und wird Teil seiner eigenen Geschichte. Mina Murray (bekannt aus “Dracula”) verdreht ihm als scharfe Kneipenbesitzerin den Kopf.

Aber auch das Alles schien Regisseur Timo Krstin noch nicht genug. Also bringt er noch Personen aus dem aktuellen Zeitgeschehen mit ein. So ist plötzlich Michael Schumacher wieder aus dem Koma erwacht und treibt auf der Bühne sein Unwesen.

Als einer der Höhepunkte des Stücks gibt es eine flammende Rede zum Niedergang des Stadttheaters: Sie bezahlen zu wenig, sind kapitalistisch und ausbeuterisch – niemand sollte sich dem beugen. Für diese minutenlange Hetzrede mit dramatischer Hintergrundmusik, gab es tosenden Applaus von den jungen Kulturschaffenden. Leider verliert sich die Ernsthaftigkeit dieser Ansprache etwas in Krstins verrückter Erzählung.

Zum Ende hin, auf dem Gipfel von K.’s Verzweiflung, übernehmen seine fiktiven Charaktere selbst die Handlung. Ein schönes Symbol für die Ko-Abhängigkeit von Künstler und Kunst. Wir dürfen sogar noch gelungenem Operngesang lauschen – live. Was genau der da zu suchen hatte, hinterfragen wir aber schon gar nicht mehr.

Es ist vor allem den großartigen Schauspielern zu verdanken, die diesen Abend so erfolgreich gemacht haben. Ihre durch die Reihe überzeugende Darstellung hat einen trotz der chaotischen Handlung gefesselt. Wir hatten unseren Spaß.