Nicolas Charaux vom Max Reinhardt Seminar in Wien im Interview

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Die Partitur-Hölle

Es wird düster und ungemütlich bei “Die Affäre Rue de Lourcine”. Im Interview erklärt Nicolas Charaux aus Wien, wie er die Finsternis und Abgründigkeit des Menschen inszeniert – als Komödie.

“Die Affäre Rue de Lourcine”, Sonntag, 25. Mai, 19.00 Uhr

Du kommst vom Max Reinhardt Seminar in Wien. Welche Erwartungen hast Du an ein Theaterfestival in Deutschland?

Ich möchte vor allem eine breitere Öffentlichkeit erreichen, weil ich mich bis jetzt nur der Theaterwelt in Wien zeigen konnte. Natürlich ist es auch interessant zu sehen, was andere Regiestudenten auf die Beine stellen.

Dabei bist Du mit der Komödie “Die Affäre Rue de Lourcine” von Labiche vertreten. Wovon handelt das Stück?

Von zwei Bürgern, die denken, dass sie jemanden umgebracht haben. Bei dem Versuch, ihre vermeintliche Straftat zu verdecken, schrecken sie nicht mal mehr vor Mord zurück. Das Stück beschreibt einen sehr derben und drastischen Handlungsverlauf.

Was hat Dich daran besonders gereizt?

Die Frage, wie man reagiert, wenn man mit einem Teil in sich konfrontiert wird, den man so nicht kennt. Wie geht man mit seiner eigenen Finsternis, seiner eigenen Abgründigkeit um? Was können Ängste bei Menschen bewirken? Ich hatte schon Szenerien à la Hitchcock im Kopf. Wir haben dann aber im Laufe der Zeit gemerkt, dass die Partitur der Komödie zuerst erfüllt werden muss, bevor ich die unheimliche Facette dieses Stückes platzieren konnte.

Wie bist du damit umgegangen?

Es war extrem harte Arbeit, diese Komödie umzusetzen. Man muss exakt erfüllen, was der Autor sich mit seiner Figurenkonstellationen, seinen Auftritten und Abgängen gedacht hat, sonst funktioniert das Stück nicht.

Szenenbilder aus Die Affäre Rue de Lourcine

Haben in der Arbeit choreographische Elemente eine Rolle gespielt?

Man müsste definieren, was in der Theaterarbeit „choreographisch“ heißt. In meiner Arbeit achte ich bei den Schauspielern sehr darauf, dass ihre Körper sprechen. Bei diesem Stück und seiner strengen Partitur konnte ich die Körper allerdings nicht frei bewegen und musste die Temperamente der Schauspieler den Figuren anpassen. Wenn da einer nicht den Drang hat, laut zu sein oder zu stören, das aber für die Szene wichtig ist, geht das nicht.

Was hat das für Deine Arbeit als Regisseur bedeutet?

Ich musste sehr handwerklich vorgehen. Es ging vor allem um Timing. Das war wirklich anstrengend, da ich meine Schauspieler eigentlich immer sehr frei agieren lasse. Im Grunde musste ich als Regisseur alles bestimmen. Das war keine leichte Sache – weder für mich noch für die Schauspieler. Doch es war wichtig zu sehen, dass auch diese Arbeitsweise für uns möglich ist. Und ich denke, wir haben es erfolgreich gemeistert.

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Ursprünglich ist dieses Interview im Fall-Magazin erschienen. Eine gedruckte Ausgabe der Interviews ist auf dem Festivalgelände erhältlich.